Neues beim Equidenpass und der Pferderegistrierung

Rahmenbedingungen, Fälschungssicherheit, Layout, Neuigkeiten


Das Westfälische Pferdestammbuch ist passausgebende Stelle für Equidenpässe in NRW. Im Rahmen der Registrierung „westfälischer“ Fohlen erfolgt die Equidenpassausstellung und anschließende Versendung bundesweit (zzgl. weiterer Länder gemäß Satzung des WP) an den Pferdeeigentümer durch die Zuchtbuchabteilung des Westfälischen Pferdestammbuchs.
Seit dem 01.01.2016 gilt in der EU eine neue Equidenpass-Verordnung [(EU) 2015/262]. Das Hauptanliegen der Verordnung ist die EU-weite Vereinheitlichung der Equidenpässe, vorrangig um eine mehrfache Passausstellung zu verhindern und den Missbrauch hinsichtlich des Schlachtstatus zu unterbinden. Mit etwas Verzögerung zum 1. November 2016 wird daher auch ein veränderter Equidenpass ausgegeben, in dessen neuem Layout sich die Reihenfolge der Abschnitte verändert hat. Die züchterischen Informationen sind jetzt im Mittelteil zu finden anstatt wie bisher gleich vorne im Pass. Schnell ins Auge fällt zudem, dass der „Abschnitt I“ zukünftig auf Sicherheitspapier gedruckt wird Das ist der Bereich, in dem die Daten zur Pferdeidentifizierung aufgeführt sind. Einzelne Pferdezuchtverbände in Deutschland verwenden stattdessen eine Laminierung dieser Seiten, hier konnte leider keine Einheitlichkeit hergestellt werden. Jeder Equidenpass enthält jedoch eine Seriennummer.

Allgemeines und Altbekanntes rund um den Equidenpass
Halter von Equiden haben ihre Tiere fristgerecht kennzeichnen und identifizieren zu lassen. Sie sind dazu verpflichtet, die Angaben im Pass jederzeit aktuell zu halten, so z.B. Angaben zum Eigentümer oder Schlachtstatus und seit 2016 auch Kastrationen. Der Pferdehalter handelt im Namen oder mit Einverständnis des Eigentümers. Zur Verdeutlichung sei hier erläutert, dass beispielsweise auch Betreiber von Pferdepensionsställen als Haltern von Pferden definiert sind. Sie sind Halter aller dort aufgestallten Pferde, auch wenn sie nicht Eigentümer der aufgestallten Pferde sind.
Der Tierhalter hat gemäß § 26 Viehverkehrsverordnung seine Tierhaltung bei der Tierseuchenkasse (TSK) anzuzeigen. Er wendet sich an die TSK und teilt dieser seine Adresse / Tierhaltungsadresse mit. Er erhält von der TSK eine 15stellige Registriernummer für seinen Betrieb, eine PIN zur Meldung des Tierbestands in den Folgejahren und einer Tierseuchenkassennummer. Die Tierhaltung wird somit als Betriebstyp „Pferdehalter“ in der für alle Tierarten zentrale HIT-Datenbank angelegt.

Der Tierhalterabgleich ist zentraler Bestandteil jeder amtlichen Tierkennzeichnung. Die Pass-ausgebenden Stellen (z.B. Westfälisches Pferdestammbuch e.V.) haben sich vor Ausstellung des Equidenpasses in der HIT-Datenbank zu vergewissern, dass die im Antrag auf Ausstellung eines Equidenpasses angegebenen Daten plausibel sind. Dies gilt insbesondere hinsichtlich Betriebsregistriernummer des Tierhalters und des Tierhalterabgleichs sowie Eigentümerwechsels. Verzögerungen bei der Passausstellung der Zuchtbuchabteilung sind häufig auf fehlende Angaben der tierhaltenden Betriebe zurückzuführen.

Bei Tod oder Verlust eines Equiden hat der Tierhalter den Equidenpass unter Angabe des Todes- oder Verlustdatums innerhalb von 30 Tagen an die Pass-ausgebende Stelle (hier: Westfälisches Pferdestammbuch e.V.) zurückzusenden. Diese machen den Pass ungültig oder vernichten ihn und hinterlegen das Todesdatum in der HIT-Datenbank. Wird ein Equide zur Schlachtung für den menschlichen Verzehr verbracht, wird der Schlachthof Halter des Einhufers. Der Schlachthof ist daher zur Rücksendung des Equidenpasses an die Pass-ausgebende Stelle verpflichtet.

Der Schlachtpferdestatus
Bei Passausstellung gelten Pferde grundsätzlich als Schlachttiere. Soll der Schlachtstatus irgendwann nach der Ausstellung des Equidenpasses geändert werden, muss dies in Abschnitt II, Teil II unwiderruflich festgelegt werden. Durch Unterschrift des Eigentümers (und des Tierarztes vor entsprechender tierärztlicher Behandlung zzgl. in Abschnitt II, Teil III) ist dies im vorgenannten Abschnitt zu vermerken. Zur Aktualisierung des Schlachtstatus in der lokalen sowie der zentralen Datenbank (HI-Tier) muss der Equidenpass innerhalb von 14 Tagen bei der ausstellenden Behörde (Pferdezuchtverband) eingereicht werden.
Sollte schon bei der Passausstellung der Status Nicht-Schlachtung gewünscht werden, muss dies durch die ausstellende Behörde und den Eigentümer unterzeichnet werden.
Erhebliche Mängel in einem Equidenpass, die die einwandfreie Identifizierung des Tieres nicht möglich machen oder zu Zweifel an der Herkunft des Tieres führen, schließen ein Pferd von der Schlachtung aus.

Weitere Auskunft über die Equidenpassverordnung (EU) 2015/262 gibt das Westfälische Pferdestammbuch auf Anfrage.

Das System der EU zur Identifizierung von Equiden
-   EIN lebenslang gültiges Identifizierungsdokument (Equidenpass) mit einer Beschreibung des Pferdes in Textform und einem ausgefüllten Abzeichen-Diagramm
-   einheitliche Methode zur Überprüfung der Identität und Verknüpfung zwischen Pass und Pferd (Transponder / Mikrochip sind Pflicht bei Registrierung, Brandzeichen optional)
-  lokale Datenbank, die gleichzeitig die UELN (Lebensnummer) zuteilt, also die Zuchtbuchführung des Westfälischen Pferdestammbuchs
- zentrale Datenbank, in der alle wichtigen Passdaten, die Transpondernummer, Halter und Eigentümer, sowie der Schlachtstatus eingetragen werden (Deutschland: HI-Tier)

Sobald ein Equidenpass erstellt wurde, gilt ein Pferd dem Gesetz nach als identifiziert. Der Pass hat das Pferd, mit wenigen Ausnahmesituationen (z.B. Ausritte, Aufenthalt auf der Weide), jederzeit zu begleiten.

Welche Equidenpass-Varianten gibt es für innerhalb der EU geborene Pferde?
Pferde erhalten einen Original-Equidenpass, wenn sie fristgemäß  innerhalb von 12 Monaten ab dem Zeitpunkt der Geburt identifiziert werden. Vor dem endgültigen Verlassen des Geburtsbetriebs muss jedoch ein Equidenpass vorliegen, auch wenn die vorgenannte Frist noch nicht abgelaufen ist.

Ein Duplikat wird ausgestellt, wenn
-    die o.g. Frist nicht eingehalten wird
-    eine Deckbescheinigung für das Pferd vorliegt
-    der Original-Equidenpass verloren ging, die Identität des Pferdes jedoch eindeutig geklärt ist
-    die Angaben im Original-Equidenpass nicht zum Pferd passen

Ein Ersatzpass wird ausgestellt, wenn
-    die o.g. Frist nicht eingehalten wird
-    keine Deckbescheinigung für das Pferd vorliegt
-    der Original-Equidenpass verloren ging und die Identität des Pferdes nicht eindeutig geklärt ist, jedoch kein Hinweis besteht, dass bereits einmal ein Equidenpass ausgestellt wurde

Keine Schlachtzulassung bei Vorlage eines Duplikats oder Ersatzpasses. Wiederherstellung des Status „Schlachtpferd“ unter gewissen Voraussetzungen und Einhaltung einer sechsmonatigen Wartezeit durch Amtstierarzt möglich

NEU Provisorisches Identifizierungsdokument: Ausstellung auf Antrag des Pferdehalters oder auf behördliches Ersuchen hin, wenn Equidenpass zwecks Aktualisierung bei ausstellender Behörde vorliegt. Maximale Gültigkeit 45 Tage, Schlachtung in dieser Zeit nicht möglich.

Reihenfolge der Abschnitte im neuen Equidenpass –> Schlachtstatus und Arzneimittelbehandlung bilden den Hauptteil, Abstammungsübersicht zukünftig im Mittelteil zu finden
Abschnitt I: Identifizierung -> Abzeichen, Geschlecht, Geburtsdatum, Lebensnummer, Mikrochipnummer, Farbe, Abzeichendiagramm, ggf. Kastration
Abschnitt II: Verabreichung von Tierarzneimitteln -> Schlachtstatus, Arzneimittelbehandlugen
Abschnitt III: Aussetzung/Aufhebung der Gültigkeit -> Eintragung eventueller Pferdeseuchen
Abschnitt IV: Einzelheiten zum Eigentum -> Besitzwechsel
Abschnitt V: Ursprungsnachweis -> Zuchtbescheinigung, Angaben zur Bedeckung, Züchter, Abstammungsüberprüfung, Pedigree Vater und Mutter, Zuchtbucheintragung, Leistungsprüfung
Abschnitt VI: Kontrolle der Identität des Tieres -> z.B. anlässlich von Veranstaltungen, Turnieren
Abschnitt VII: Impfungen -> Pferdegrippe
Abschnitt VIII: andere Krankheiten
Abschnitt IX: Gesundheitskontrollen durch Laboruntersuchungen
Anhang: Turniersporteintragung

Equidenpass-Verordnung 2015/262

Wichtige Artikel der neuen Equidenpass-Verordnung

FAQ und Auslegungshinweise zur Equidenpassverordnung 2015/262