Westfalens Fahrponys bundesweit Spitze

Ausführungen zu der Frage "Woher kommen die erfolgreichsten Fahrpferde?"


Anlässlich der Jahrestagung der Fachgruppe Fahren im Deutschen Reiter- und Fahrer-Verband e.V. in Sternberg/Mecklenburg untersuchten der Fachgruppen-Vorsitzende Rolf Schettler und die Agrarwissenschaftlerin Christiane Schettler (Technische Universität München/Weihenstephan) die Frage: „Woher kommen die erfolgreichsten Fahrpferde?“ Grundlage der Untersuchung waren die Turnierergebnisse der jeweils erfolgreichsten 25 Fahrpferde und Fahrponys aus den Jahren 2010 bis 2013.

Wer die Frage nach den erfolgreichsten Fahrpferden und Fahrponys untersuchen möchte, wird sich die Frage stellen müssen, wie dies bemessen werden soll. Da es nicht um subjektive Qualitätsmerkmale, sondern um objektiv erbrachte Leistungen gehen soll, stehen die FN-Turnierergebnisse als Datengrundlage zur Verfügung. Hierbei sind es vor allem drei in Betracht kommende Parameter: die Gewinnsumme, die aufgrund von Turnier-Eigenleistungen und Verwandschaftsleistungen ermittelten Zuchtwerte und die sogenannten Ranglistenpunkte. Die Gewinnsummen im Fahrsport würden zu einer erheblichen Verzerrung führen, da die publikumswirksamen Vierspännerprüfungen, insbesondere auf großen Turnieren und bei den Hallen-Weltcup-Veranstaltungen in der Dotierung ein Vielfaches von sogenannten  normalen S-Prüfungen ausmachen. Dies bedeutet in der Folge, dass unter den nach Gewinnsummen besten 25 Pferden eines jeden Jahres fast ausschließlich Vierspännerpferde zu finden sind.

Die aufgrund von eigenen Turnierergebnissen und den Ergebnissen von Vorfahren und Geschwistern ermittelten Zuchtwerte spielen bei der Beurteilung von Dressur- und Springpferden eine große Rolle. Für Fahrpferde werden sie hingegen nicht ermittelt bzw. nicht veröffentlicht. Insofern besteht diese Informationsquelle für Fahrpferde und Fahrponys zumindest derzeit nicht zur Verfügung. Es bleibt somit nur der Vergleich nach sogenannten Ranglistenpunkten, der auch in seiner Systematik die besten Voraussetzungen für einen objektiven Erfolgsvergleich liefert.

Gemäß Durchführungsbestimmungen zu § 63 LPO werden Turnierergebnisse nach Klasse, Gewinnsumme und sportlichen Wert gestaffelt. Ein fünfter oder sechster Platz in einer Einspänner E-Dressur gibt einen Ranglistenpunkt, der Sieg in einer mit bis zu 5.000 Euro dotierten Kombinierten Prüfung der Klasse M immerhin schon 990 Punkte. Die Einzel-Goldmedaille bei einer Welt- oder Europameisterschaft schlägt darüber hinaus mit 13.200 Ranglistenpunkten zu Buche. Darüber hinaus ist das RLP-System transparent und öffentlich.

Bei der Betrachtung der besten 25 Fahrponys der vergangenen vier Turnierjahre stellt man fest, dass 53 % der Top 25 Vierspännerpferde sind. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass bei einem Erfolg eines Viererzuges jedes einzelne Pferd die vollen Ranglistenpunkte erhält. Anders gesagt: für einen Vierspännererfolg in der gleichen Klasse und der gleichen Dotierung werden vier Mal die gleichen Ranglistenpunkte vergeben wie bei einem gleichartigen S-Sieg eines Einspänners. Im Übrigen wird die Pyramide nach unten stets deutlich breiter. An der Basis dominieren Einspännerprüfungen deutlich vor Zweispännerprüfungen, während Vierspännerprüfungen einen ganz geringen Anteil ausmachen. Nach Schätzungen des DOKR-Fahrausschuss-Vorsitzenden Felix Auracher verfügt Deutschland derzeit über maximal 40 S-taugliche Vierspänner, während es im Einspännerbereich mehrere Hundert sind.

Die besten 25 Fahrponys aus den vergangenen vier Turniersaisons sind zu 70 % Wallache, 22 % sind Stuten, nur 8 % hingegen sind Hengste. Die Altersspanne der erfolgreichsten Fahrponys reicht von sechs bis zwanzig Jahren, wobei das Durchschnittsalter bei zehn Jahren liegt.

Unter den Spitzenfahrponys ist die Rassegruppe Deutsches Reitpony mit 75 % mit Abstand die dominierende Gruppe, Welsh B-Ponys mit 12 % stellen die zweitgrößte Gruppe, alle übrigen sind jedenfalls im Spitzensport zu vernachlässigen. Auch hier zeigt sich an der Basis ein völlig anderes Bild, neben den deutschen Reitponys sind hier vor allen Dingen die Haflinger sehr stark vertreten, was allerdings unter den Top-25-Fahrponys nicht mehr zum Ausdruck kommt.

Da die Rassegruppe Deutsches Reitpony von mehreren Zuchtverbänden nach ähnlichem Zuchtprogrammen betreut wird, lohnt der Blick auf die Herkünfte. Hier dominiert das Westfälische Pferdestammbuch deutlich,  das mit 22 % den mit Abstand größten Verbandsblock unter den erfolgreichsten Fahrponys der vergangenen vier Jahre stellt.

Dieser Effekt basiert auf mehreren Ursachen. Zum einen ist die  Reitponyzucht in Westfalen auch zahlenmäßig sehr stark, ein Effekt, der auf zwei weitere wichtige Faktoren stößt: ein sehr umfangreiches Angebot in Westfalen und eine große Zahl aktiver Fahrer. Daher finden zwischen Rhein und Weser offensichtlich deutlich mehr Reitponys Zugang zum Fahrsport als in anderen Regionen. Der seit einigen Jahren mit deutlichen Steigerungsraten expandierende Jugendfahrsport spielt dabei ebenso eine Rolle wie die Tatsache, dass auch für sehr viele Erwachsene Reitponys ein erschwinglicher Einstieg in den allgemein sehr aufwendigen Fahrsport bedeutet.

Die Parallelanalyse bei den Fahrpferden (Großpferden) sieht im gleichen Zeitraum die Holsteiner als stärkste Rassengruppe, mit einem Anteil von 17 % allerdings bei weitem nicht so dominant wie die Westfälischen Fahrponys. Unter den Top-25-Fahrpferden stellen die westfälischen Warmblüter lediglich 7 %.

Alle Auswertungen und Diagramme sind verfügbar auf der Website des Deutschen Reiter- und Fahrer-Verbandes e.V. www.drfv.de.

Rolf Schettler/Christiane Schettler, B.Sc. (agr.)