Projekt zur Förderung des Qualitätsmanagements in der Pferdehaltung 2017

Tierseuchenkasse NRW unterstützt Infektionsdiagnostik in Pferdebetrieben

Im Rahmen eines aktuell vorbereiteten Projektes zur bestandsbezogenen Infektionsdiagnostik in Pferdebetrieben haben Pferdehaltungen als nachweisliche Mitglieder der Tierseuchenkasse NRW (Betriebstyp 128) die Möglichkeit, bei akut auftretenden Atemwegserkrankungen, Erkrankungen des Zentralnervensystems, Aborten oder Durchfällen kostenlos eine Erregerdiagnostik durchführen zu lassen. „Initiatoren“ des Projektes sind gemeinsam mit der Tierseuchenkasse NRW: das MKULNV NRW, das LANUV NRW, die Zucht- und Sportverbände in NRW, die FN Warendorf und die Veterinärämter.

Folgende Vorgehensweise:
Der den Bestand betreuende Tierarzt untersucht die betroffenen Pferde und füllt einen Anamnesebogen mit der Tierseuchenkassennummer der Pferdehaltung und Angaben zum Pferdebetrieb aus. Wichtig sind natürlich auch Impfstatus und Angaben zur klinischen Untersuchung der betroffenen Pferde. Für die Labordiagnostik werden bei (bis zu drei) akut erkrankten Pferden Proben entnommen und an das Labor Böse Carl-Zeiss-Str.6 -31177 Harsum. geschickt. Dort soll-unter Einbeziehung der vorberichtlich genannten Symptome und abhängig vom Untersuchungsmaterial,- der ursächliche Erreger zu identifiziert werden. Die an dem Projekt interessierten Tierärzte erhalten kostenlos vorab Untersuchungsanträge, Anamnesebögen, Styroporboxen für den Versand und Beprobungsmaterial, um für den Ernstfall gerüstet zu sein.

Die Kosten der Beprobung trägt der Pferdehalter, die Kosten für die Labordiagnostik und den Übernachtversand werden von der Tierseuchenkasse NRW getragen.

Mit Hilfe der Angaben aus dem Anamnesebogen und der Laborbefunde wird eine bestandsbezogene Diagnose erarbeitet. In begründeten Fällen werden weiterführende Laboruntersuchungen veranlasst. Ziel ist, aus den Erkenntnissen und Erfahrungen des Projektes ein individuelles und langfristiges Konzept zur Verbesserung der Situation im Bestand zu entwickeln. Zu diesem Zweck geht eine Kopie der Laborbefunde und des Anamnesebogens an den Projektleiter Dr. Lutz Ahlswede. Er unterliegt der Schweigepflicht und kann zur Erzielung von Ergebnissen -besonders auch im Dialog mit Haustierarzt und Labor-über weitergehende Untersuchungen entscheiden. Ebenso wird der Hoftierarzt um einen Meldebericht gebeten, welcher die Maßnahmen und letztlich das Ergebnis dokumentieren soll.

Besondere Zielvorgabe für die tierärztliche Leistung zur Förderung eines Qualitätsmanagements in der Pferdehaltung ist hier der bestandsbezogene Infektionsschutz. Er muss die Besonderheiten bzw. die Spezialisierung der jeweiligen Pferdehaltung berücksichtigen und Empfehlungen für das Betriebsmanagement einschließen. Pferdebetriebe sind beim Aufbau eines wirkungsvollen Infektionsschutzes auf die sachkundige Beratung und Umsetzung durch Tierärzte angewiesen. Deren Aufgabe ist es, ge­meinsam mit einem Verantwortlichen des Pferdebetriebes die Gesundheit der Pferde durch Aufklärung, Erarbeitung und Umsetzung von Strategien langfristig zu fördern und zu stabilisieren. Von besonderer Bedeutung sind dabei neben einer sorgfältigen klinischen Untersuchung der Erregernachweis über ein gezieltes Probenmanagement sowie eine sichere Labordiagnostik. Hier bieten sich die am häufigsten auftretenden Symptomkomplexe der Atemwege und des ZNS sowie Aborte und Durchfälle zur Erarbeitung von Empfehlungen zur Beprobung und Labordiagnostik an. Vor allem dann, wenn die Probleme in einem oder mehreren Betrieben einer Region gehäuft auftreten. Ohne Kenntnis der Erreger lassen sich weder Prophylaxe noch Therapie sinnvoll gestalten, es können keine gezielten Desinfektions- und Quarantänemaßnahmen vorgenommen werden.

Mit dem aktuellen Projekt sollen ein Umdenken und konsequentes Handeln angestoßen werden, um den Infektionsschutz in Pferdezucht und -haltung zu verbessern und um eine möglichst optimale bestandsbezogene Impfprophylaxe zu etablieren.

Ein wichtiger Aspekt des Projektes ist es, dass die erhaltenen anonymisierten Daten ausgewertet werden. Um aber entsprechende Aussagen für die Praxis treffen zu können, muss ein recht hohes Aufkommen von Proben gewährleistet werden. Trotz der möglicherweise leidvollen akuten Fälle im Stall gilt es also mit den Beprobungen und deren Ergebnissen an der Zukunft zu arbeiten.


Das "Projektinformationsblatt" sowie das Formular Anforderung "Beprobungsmaterial" und der "Untersuchungsantrag, Anamnesebogen, Meldebericht" stehen zum Download bereit.


Kontaktdaten

 Projektleiter     Labor und Bestellung des 
Abholservice; Materialanforderung        
Dr. Lutz Ahlswede
Tel.: 0251 - 24 110
Fax: 0251 - 92 450 66
Mobil: 0170 - 56 476 70
Mail: LutzAhlswede@web.de
Labor Böse
Tel.: 05127 - 90 20 50
Mail: mail@labor-boese.de 

 

Projekt zur bestandbezogenen Infektionsdiagnostik, zum Infektionsmanagement und zur Infektionsprophylaxe*

 Träger:      Landwirtschaftskammer NRW – Tierseuchenkasse      
Initiator: Beratendes Mitglied Pferde – Heinrich Plaas-Beisemann – im Verwaltungsrat der Tierseuchenkasse NRW
Arbeitsgruppe: MKULNV NRW, LANUV NRW, Sport- und Zuchtverbände NRW, FN Warendorf
Projektbeginn: Herbst 2016
*Als Teil des Projekts:   Sicherstellung von Pferdegesundheit und Wohlbefinden.
Leitfaden für die Zucht und Aufzucht von Pferden.


Abläufe des Projektes

Stufe 1 - Praxisbezogene Abläufe

  • Voraussetzung zur Teilnahme: die Pferdehaltung ist Mitglied der Tierseuchenkasse NRW. Bitte kontrollieren, ob die Pferdehaltung auch gemeldet ist (Betriebstyp 128).
  • In der Pferdehaltung treten Infektionen auf zu den Komplexen Abort, respiratorische Symptomatik, ZNS Symptomatik oder Diarrhoe.
  • Der Hoftierarzt beprobt die betroffenen Pferde (max. 3) nach entsprechenden Vorgaben und füllt den Anamnesebogen aus. Weitere zu beprobende Pferde und Nachkontrollen sind mit dem Projektleiter abzusprechen. Der Pferdebetrieb kann pro Jahr nur zwei Mal an diesem Projekt teilnehmen.
  • Die Proben und der Anamnesebogen werden an das Labor Böse geschickt. Dort erfolgt eine umfangreiche Diagnostik nach möglichen Infektionserregern.
  • Die Laborkosten einschließlich dem Probenversand trägt die Tierseuchenkasse NRW.
  • Die Laborergebnisse werden an den Einsender geschickt. Das Labor Böse wird ermächtigt, sowohl die Laborergebnisse, wie auch den Anamnesebogen an den Projektleiter zu schicken.
  • Der Projektleiter ist zur Verschwiegenheit verpflichtet. Er prüft die Unterlagen auf Vollständigkeit und Auswertbarkeit und berät. Er erhält auch die Meldeberichte des Haustierarztes zur Therapie- und Erfolgskontrolle.
  • Der Hoftierarzt wird verpflichtet, an den Projektleiter einen Meldebericht zur Therapie und weitergehende Maßnahmen sowie zur Erfolgskontrolle nach Erhalt der Laborbefunde zu schicken.
  • Die Kosten für die Leistungen des Hoftierarztes trägt der einsendende Pferdehalter.

 

Stufe 2 - Befundauswertung und Informationen

  • Befundauswertung
  • Praxisbezogene Hygieneempfehlungen
  • Empfehlungen zur Therapie, Metaphylaxe und Prophylaxe
  • Info/Weiterbildung Tierärzte

 

Stufe 3 - Ansprechpartner Pferdehalter usw.

  • Info und Schulung Pferdehalter
  • Angebot des Nachweises einer fachbezogenen Sachkunde
  • Infos über die Homepage der Verbände, u. a. auf das Gesamtprojekt bezogen; Leitfaden für die Zucht und Aufzucht von Pferden, hier: Bestandsbezogener Infektionsschutz; u.a. mit Hygieneempfehlungen und Infos zur Beprobung, Impfung, Entwurmung usw.
  • Argumentationen und Ziele für das Projekt
  • Der verbesserten, schnelleren Erkennung und gezielteren Behandlung von Infektionserkrankungen der Atemwege, des zentralen Nervensystems sowie von Aborten und Diarrhoen.
  • Der schnelleren und präzisen Erreger-Bestimmung bei auftretenden Infektionen durch Einführung einer methodisch abgesicherten, laborgestützten und finanziell geförderten Diagnostik.
  • Dem Vorhalten und der Weitergabe von Therapie-Konzepten.
  • Dem Vorhalten und der Weitergabe von Notfall- und Prophylaxe-Plänen.
  • Der Vorbeugung gegen neue bzw. zukünftige Infektionserkrankungen.
  • Der Datensammlung zum Zweck der Kontrolle der Verbreitung von Infektionserkrankungen und als Grundlage wissenschaftlicher Auswertungen.
  • Nötigenfalls der sachgerechten Information der Öffentlichkeit über einen ggfs. vorhandenen Infektionszug (unter absoluter Wahrung des einzelbetrieblichen Datenschutzes).
  • Der Vermeidung von Nutzungseinschränkungen und Tierverlusten (=Werterhaltung).
  • Der Aufrechterhaltung des Pferdeverkehrs (Zucht, Sport, Vermarktung In- und Ausland)
  • Der Vermeidung „unnötiger“ finanzieller Verluste für Pferdehalter, Züchter, Pferdesportler, Turnierveranstalter und Verbände.
  • Teil der Forderungen nach Wohlbefinden und Pferdegesundheit.