Fokus auf Gesundheit und Sportleistung der Stutenfamilie

Westfälische Hauptprämie - neue Stutenprämierung für Warmblüter und Deutsches Reitpony in Westfalen

Die vom Westfälischen Pferdestammbuch vergebenen Prämierungstitel „Staatsprämienstute“ und „Verbandsprämienstute“ erhalten eine Erweiterung – die Westfälische Hauptprämie. Ziel ist die Bildung eines sogenannten Nukleuspools unter dem Leitbild des messbaren Sporterfolgs einer Stutenfamilie und Gesundheitskriterien des Einzeltiers. Die über Generationen erfolgte Selektion auf Exterieur- und Grundgangartenqualität ist ebenfalls wichtige Basis des neuen, ergänzenden Prämierungstitels. Dies wird dadurch abgesichert, dass im Regelfall ein Staatsprämientitel bei den in Betracht kommenden Stuten vorliegen muss.
Um dann aber die Westfälische Hauptprämie zu erhalten, muss der Stutenbesitzer weitere Kriterien seiner Stute nachweisen. Somit wird ein Mindestmaß der für die Sportpferdezucht immens wichtigen Sportleistungsinformationen eines Mutterstamms bzw. einer Stutenfamilie genauso gefordert wie der Gesundheitsfaktor. Der große Bereich der Gesundheit rückt mehr und mehr in das Zentrum der Zuchtzielorientierung und bedarf aus Verbandssicht der unbedingten Beachtung, da die genetisch vorbedingten Gesundheitsfaktoren gemeinsam mit der Gesunderhaltung in der Aufzucht die Weichen für die Langlebigkeit und Nutzungsdauer eines Pferdes sowie für die Wirtschaftlichkeit der Pferdezucht darstellen.

Übersicht der Leistungserbringung für die Verleihung des Stutenprämierungstitels „Westfälische Hauptprämie“

1.    Vorlage eines Staatsprämientitels, d.h. Teilnahme Eliteschau und Absolvierung einer Stutenleistungsprüfung (gilt auch für Deutsches Reitpony). Die Grundanforderungen an Exterieur- und Grundgangartenqualität wird hiermit abgesichert. Die für die Westfälische Hauptprämie infrage kommenden Stuten tragen daher ebenfalls den Titel „Staatsprämienstute“.

2.    a) Sporterfolge in der Stutenfamilie (Warmblut)
Sechs erfolgreiche Pferde in Klasse S (disziplinübergreifend Dr, Spr, analog VS) innerhalb der letzten drei Generationen der Stutenfamilie (ausgehend von der Urgroßmutter)

b) Sporterfolge in der Stutenfamilie (Deutsches Reitpony)
Sieben erfolgreiche Pferde in Klasse L bzw. FEI-Prüfungen oder höher (disziplinübergreifend Dr, Spr, analog VS) innerhalb der letzten zwei Generationen der Stutenfamilie (ausgehend von der Großmutter)

3.    Gesundheitscheck
- klinische und röntgenologische Untersuchung mit Erfüllung des analogen Körungsstandards, vgl. Anlage 3 der Satzung Westfälisches Pferdestammbuch e.V. (bezogen auf den Röntgenstandard bedeutet das z.B. kein OCD-Befund im Kniegelenk;  bzw. im Sprunggelenk und in mehr als einem weiteren Gelenk jeweils max. einen OCD-Befund (max. 3 OCD-Befunde)
- Durchgeführt von einem Fachtierarzt für Pferde, die Ergebnisse sind zwecks Überprüfung und Bewertung einzureichen beim Westfälischen Pferdestammbuch

4.    Alternativer Quereinstieg für „Nicht-Staatsprämienstuten“
Denjenigen Stuten, die über keinen Staatsprämientitel verfügen, wird ein Quereinstieg ermöglicht. In diesen Fällen wird eine ergänzende Leistung der zu betrachtenden Stute gefordert:
a) Reitpferde: Eigenleistung im Sport in Kl. S (Platzierung) einer Disziplin (Dr, Spr, analog VS). Seit 2015 entspricht dies den Anforderungen des Titels „Leistungsstute“.
ODER Sporterfolg eines direkten Nachkommen in Kl. S einer Disziplin (Dr, Spr, analog VS)

b) Deutsches Reitpony: Eigenleistung im Sport in Kl. M (Platzierung) oder höher einer Disziplin (Dr, Spr, analog VS). Seit 2015 entspricht dies den Anforderungen des Titels „Leistungsstute“.
ODER Sporterfolge von drei direkten Nachkommen, davon ein Pony mind. in Kl. M und zwei Ponys mind. In Kl. L (Dr, Spr, analog VS)

5.    Die infrage kommenden Stuten werden bis zur Widerrufung auf Antrag kostenlos im Zuchtbuch des Westfälischen Pferdestammbuchs geführt, die direkten Nachkommen werden kostenlos registriert.


Westfälische Stutbuchaufnahme, Stutenleistungsprüfung und Prämierungen im Allgemeinen

Die Stutbuchaufnahme ist ein wichtiger Bestandteil der Zuchtkarriere und stellt für den Züchter ein Selektionskriterium dar. Das Verfahren der Bewertung besteht aus der Identifizierung, der Überprüfung von zuchtbuchgemäßen Abstammungsvoraussetzungen und der Musterung auf der Dreiecksbahn an der Hand mit abschließendem Schrittring. Die Einordnung der Stute in eine Stutbuchabteilung und Vergabe möglicher Prämierungen wird hierbei ebenfalls vollzogen. Vornehmlich werden die Stutbuchaufnahmen auf den Stutenschauen von Ende Mai bis Mitte Juli durchgeführt, beispielsweise kann nur hier eine Zulassung zur Eliteschau zwecks Vergabe des Staatsprämientitels erfolgen.
In Verbindung mit der Exterieurbeurteilung steht immer auch die Stutenleistungsprüfung, die eine erste Aussage über die Bewegungsqualität unter dem Reiter, die Rittigkeit und die Springanlage gibt. Sie hat nicht nur Schaufensterfunktion, sondern ordnet auch die Leistungsfähigkeit einer Stute im Jahrgangsvergleich ein und dient somit als greifbares Selektionskriterium für junge Stuten. Daher ist die Absolvierung einer Stutenleistungsprüfung auch notwendige Voraussetzung zum Erwerb der oberen  Prämierungsklassen.

Bevor eine Stute hinsichtlich einer möglichen Prämierung betrachtet wird, werden im Rahmen der Stutbuchaufnahme die Anforderungen zur Einteilung in die Hauptabteilung (Stutbuch I, Stutbuch II) oder besondere Abteilung (Vorbuch) erörtert. Die Abteilungen unterscheiden sich insbesondere in der abstammungsmäßigen Voraussetzung (Mindestanzahl Vorfahrengenerationen in der Hauptabteilung einer Züchtervereinigung) und den Mindeststandards der Exterieurbewertung. Dies ist in den Zuchtprogrammen der jeweiligen Pferderassse definiert.  Die Absolvierung einer Stutenleistungsprüfung hat hierauf keinen Einfluss.
Zur Orientierung werden hier die Unterschiede in den Voraussetzungen der Exterieurbenotung dargestellt (gilt u.a. für Westfälisches Reitpferd und Deutsches Reitpony).

Stutbuch I: Exterieurbeurteilung (§ 22 Satzung) mit Gesamtnote von mindestens 6,0; in keinem Merkmal schlechter als 5,0
Stutbuch II: Exterieurbeurteilung (§ 22 Satzung) mit Gesamtnote von mindestens 6,0
Vorbuch: Exterieurbeurteilung (§ 22 Satzung) mit Gesamtnote von mindestens 5,0; in keinem Merkmal schlechter als 4,0


Staatsprämientitel der Landwirtschaftskammer NRW im Westfälischen Pferdestammbuch
1.    Gegenstand der Gewährung
Anerkennung für die Verbesserung der Zuchtgrundlage für westfälisch und rheinisch registrierte Pferde, für die im Zuchtverband ein Zuchtbuch geführt wird.
2.    Bewertungsergebnis durch Vorstellung der Stute auf einer Stutenschau des Westfälischen Pferdestammbuchs im Alter von 3 oder 4 Jahren mit Zulassung der Kommission zur Elitestutenschau, Mindestdurchschnittsnote der Stutbuchaufnahme 7,5
3.    Für Stuten der Rasse Warmblut eine erfolgreiche Teilnahme an einer Zuchtstutenprüfung.


Richtlinien für die Vergabe des Titels „Verbandsprämie“
1.    Verbandsprämie
Eintragung im Stutbuch I mit der Mindestdurchschnittsnote der 7,33
Vergabe an drei- und vierjährige Stuten, außerdem an ältere Stuten, wenn sie mit Fohlen bei Fuß auf einer Stuten- und Fohlenschau vorgestellt werden.

2.    Verbandsprämienstute-Sport
Den Zusatz können solche Stuten erhalten, die zusätzlich zu den unter 1. genannten Bedingungen über eigene Turniererfolge verfügen. Mindesterfolge:
a) Reitpferde: 2 Platzierungen an 1. bis 5. Stelle an Championaten für Reitpferde
b) Reitponys: 2 Platzierungen an 1. bis 5. Stelle an Championaten für Reitponys
ODER
a) Reitpferde: 3 Siege in Spring- und/oder Dressurprüfungen der Klasse L und/oder 3 Platzierungen in höheren Klassen
b) Reitponys: 3 Platzierungen in Spring- und/oder Dressurprüfungen der Klasse L oder höher
c) äquivalente Leistungsnachweise aus den Disziplinen Fahren, Vielseitigkeit, Rennen möglich.

3.    Verbandsprämienstute-Zucht
Den Zusatz können solche Stuten erhalten, die zusätzlich zu den unter 1 genannten Bedingungen Turniererfolge eigener Nachkommen nachweisen können. Mindesterfolge:
a) Reitpferde: mindestens drei Nachkommen, die in Prüfungen der Klasse L an 1. bis 5. Stelle oder höher platziert waren
b) Reitponys: mindestens drei Nachkommen, die in Prüfungen der Klasse A an 1. bis 5. Stelle oder höher platziert waren.


Richtlinien zur Vergabe des Titels „Leistungsstute“
1.    Eintragung im Stutbuch I mit Fohlen bei Fuß, keine Altersbeschränkung

2.    a) Reitpferde: seit 2015 Nachweis der Eigenleistung (Platzierung) im Sport in Kl. S einer Disziplin (Dr, Spr, analog VS).
b) Deutsches Reitpony: seit 2015 Nachweis der Eigenleistung (Platzierung) im Sport in Kl. M oder höher einer Disziplin (Dr, Spr, analog VS).