„Kühe statt Konzerte“, so war kürzlich ein Zeitungsbericht der Westfälischen Nachrichten über die Geschichte der Halle Münsterland betitelt. Statt Milchvieh hätte auch Pferdezucht in der Überschrift stehen können. Denn das 1904 gegründete Westfälische Pferdestammbuch war vor 100 Jahren dabei, als die Halle gegründet wurde. Denn errichtet wurde sie „für Zuchtbullen, Milchkühe und Pferde“, wie es in dem Zeitungsbericht korrekt beschrieben wird und in dem es weiter heißt: „Kaum jemand ahnt heute, dass Münsters größte Veranstaltungshalle nicht etwa für Rock- und Popsternchen, Politiker, Comedians, Orchester oder Showgrößen, sondern für preisgekrönte Bullen, edle Kühe und wertvolle Zuchtstuten gebaut wurde.“ Westfälische Reit- und Fahrvereine eröffneten die Halle Münsterland 1926 mit einem Schauturnier.
„Bis heute wird an einem solchen Jubiläum die Bedeutung von Pferdezucht und Reitsport für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Region erkennbar“, sagte anlässlich des runden Geburtstages Ralf Johanshon. Der Vorsitzende des Westfälischen Pferdestammbuchs, der dem Aufsichtsrat der Halle noch heute angehört, verbindet mit der Entwicklung der heutigen Messe und Congress Centrum Halle Münsterland GmbH ein Stück Geschichte westfälischer Pferdezucht. Auch wenn die Pferdezucht ihre Körungen und Auktionen längst auf dem eigenen Gelände in Münster-Handorf absolviert, so war vor hundert Jahren die Halle Münsterland dafür unverzichtbar. Pferdeauktionen fanden hier bis Ende der 1990er Jahre statt.
Zu den Zuchtschauen und Auktionen reisten stolze Bauernfamilien in Festtagsstimmung an. Westfalen war in den 1920er Jahren agrarisch geprägt. Die Landwirtschaft drängte die Stadt Münster, auf dem Gelände der 1917 stillgelegten städtischen Gasanstalt am Hafen die Halle und Stallungen für mehrere hundert Tiere zu bauen. In den Notjahren der Nachkriegszeit wurde die 1943 zerbombte Halle gemeinsam mit dem Westfälischen Pferdestammbuch, dem Westfälischen Rinderstammbuch und dem Westfälischen Schweinezüchterverband neu aufgebaut und 1949 wiedereröffnet.
Das landwirtschaftliche Prestigeprojekt von einst ist längst ein kultureller Hotspot der Westfalenmetropole. Wie die Halle Münsterland hat sich auch das Westfälische Pferdestammbuch gewandelt. Vorsitzender Ralf Johanshon: „Über Jahrhunderte war das Pferd der engste Partner des Menschen in der Landwirtschaft, in der Industrie oder beim Militär. An die Stelle von Landwirten, Bergarbeitern oder Soldaten sind Reitsportler und Freizeitaktive getreten. Aber das Westfalenross steht nach wie vor für die Identität des Landes.“ Die beiden anderen Symbole im Wappen Nordrhein-Westfalens sind der Rhein und die lippische Rose.
Ihre landwirtschaftliche Herkunft verleugnet auch die Halle Münsterland bis heute nicht. Seit 1999 finden hier die Agrarunternehmertage statt und jedes Jahr im Januar gibt es mit dem Agravis Cup ein großes nationales Reitturnier.
